Zeltschule e.V.

Zeltschule e.V.


„Wir können doch nicht zusehen wie eine ganze Generation syrischer Kinder in den Analphabetismus abrutscht und so jede Chance auf eine unabhängige Zukunft nach dem Krieg verliert.“

Jaqueline Flory, Gründerin

Rund 200.000 syrische Kinder leben in libanesischen Geflüchtetencamps ohne eine Schule zu besuchen. Statt lesen und schreiben zu lernen, müssen sie oft viele Stunden am Tag auf dem Feld arbeiten. Laut UNHCR waren im Jahr 2021 mindestens 27.825 syrische Flüchtlingskinder im Libanon von Kinderarbeit betroffen. Um dieser Misere etwas entgegenzusetzen, gründete die Münchnerin Jaqueline Flory Anfang 2016 mit den Lehrer*innen und Eltern der Tumblinger Schule in München den Verein Zeltschule e.V.

Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie bestechend: Die Mädchen und Jungen werden direkt in den Camps in einfachen Zeltschulen von Lehrer*innen aus der Geflüchteten-Gemeinschaft unterrichtet. Und damit sie nicht mehr arbeiten müssen, unterstützt der Verein ihre Eltern mit Lebensmitteln und Wasser. Mittlerweile gehen über 10.000 Kinder täglich in eine Zeltschule und über 40.000 Menschen werden jeden Tag mit allem Lebensnotwendigen versorgt.

Wir waren sofort von dieser Initiative begeistert und haben beschlossen, in einem der Camps in der Bekaa-Ebene die Phoenix Zeltschule zu bauen und sie langfristig zu finanzieren. Am 15. Juli 2017 wurde „unsere“ Schule eröffnet und bis Anfang 2026 haben dort 482 Kinder jeden Tag Unterricht erhalten. Bereits 2025 hat die Organisation begonnen, Camps und ihre Zeltschulen aus dem Libanon wieder in die Heimat nach Syrien zurück zu ziehen. Und so fand im Frühling 2026 auch der Umzug des Phoenix Camps statt.

In einem logistischen Kraftakt wurden die 288 Phoenix-Familien und die knapp fünfhundert Kinder zurück in ihr altes, neues Leben begleitet. In Deir ez-Zor müssen die Menschen zwar immer noch in Zelten leben, die Schule allerdings konnte in einem richtigen Gebäude untergebracht werden. Vor Ort haben bereits viele Familien gelebt und so hat sich die Anzahl der Schüler*innen, die die Phoenix-Schule besuchen, seit dem Umzug auf 812 erhöht! All diese Kinder werden von der Organisation mit Lernmaterialien und warmem Mittagessen versorgt, außerdem gibt es eine grundlegende Gesundheitsversorgung und Lebensmittelpakete für die Familien der Kinder. Die jährlichen Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf 49.950 €.

„Eine Schule bedeutet, dass das Leben zu uns zurückkommt, dass wir Hoffnung auf eine bessere Zukunft für unsere Kinder haben.
Sie ist der Silberstreifen am Horizont.“
  (Yehya Alfaress, Mathematik- und Physiklehrer aus Holms)

Seit Frühling 2021 unterstützen wir außerdem das IndePENdent-Girl-Programms von Zeltschule e.V. zur Förderung von geflüchteten Mädchen und jungen Frauen aus Syrien. Wir ermöglichen damit allen Mädchen aus unserer Phoenix-Schule nach ihren Pflichtschuljahren – die nach syrischem Curriculum ungefähr bis zum 14. Lebensjahr gehen – auf eine weiterführende Schule zu gehen (bis zur Hochschulreife) oder eine Berufsausbildung zu machen und geben ihnen so eine dringend notwendige Zukunftsperspektive. Die Ausbildungen werden vor allem Camp-intern in den vielen verschiedenen Betrieben, die mittlerweile in den Camps entstanden sind, durchgeführt. Dazu gehören die Bäckerei, die Suppenküche, die Frauensprechstunde, in der Krankenschwestern und Hebammen ausgebildet werden, die Bau- und Instandhaltungsgruppe und der Women’s Workshop. 118 Mädchen der Phoenix-Schule sind momentan Teil des Programms.

Bildung ist für alle unsere syrischen Kinder extrem wichtig und alle versuchen eifrig die vom Krieg gestohlenen Schuljahre in Windeseile aufzuholen. Aber für Mädchen ist Bildung besonders wichtig, macht sie doch mehr noch als bei Jungen den Unterschied zwischen einem freien Leben und einem Leben in völliger Abhängigkeit aus. Aktuell gibt es 78 indePENdent girls, die eine weiterführende Schule besuchen und auf dem Weg sind, ihr Abitur zu machen. Dass die syrische Regierung angekündigt hat, in naher Zukunft die Universitäten wieder zu eröffnen, ist mehr als ein großer Hoffnungsschimmer für diese Mädchen – denn nach der Rückkehr nach Syrien werden sie in der Lage sein, dort zu studieren!

Mädchen und jungen Frauen auf der Flucht und in den Camps haben es ganz besonders schwer. Nach dem Schulabschluss stehen sie fast immer vor der Wahl zwischen einer “Versorgungsehe” oder schwerster Feldarbeit. Dabei wünschen sich die meisten nur ein unabhängiges, erfülltes und friedliches Leben – so wie wir alle.

„Manchmal sitzen wir im Unterricht und jemand erzählt etwas Witziges und wir lachen alle laut. Dann ist es kurz so, als wäre alles normal,
als wären wir Schulkinder wie überall auf der Welt, die alles werden und alles machen können.“
(Qamar aus der Phoenix-Schule)

Die Unterstützung für ein Mädchen kostet jährlich im Durchschnitt 96 €. Helft uns, diesen starken, intelligenten und inspirierenden Mädchen eine unbesiegbare (“invicta”) Lebensperspektive zu geben und solidarisch mit ihnen eine bessere Zukunft zu gestalten. 

Mehr Infos zu den Zeltschulen gibt es auf www.zeltschule.de.